Friedensbündnis hatte eingeladen – 70 Interessierte im Hieronymi-Saal

Auf großes Interesse stieß der Auftakt zu den „Oberurseler Friedensgesprächen“. Das Friedensbündnis hatte im Georg-Hieronymi-Saal die Konfliktexperten Oliver Knabe aus Köln und Andreas Zumach aus Berlin zu Gast. Etwa 70 Personen füllten den Saal bis auf den letzten Platz.

Gibt es noch Wege zum Frieden in der Ukraine – und weltweit? Und wenn ja, welche? Das war die zentrale Fragestellung – für die beiden Referenten, aber auch für die viele Fragensteller aus dem Publikum. Die Veranstalter hatten sich eine rege Diskussion gewünscht. Und sie fand statt. Die Moderierenden Renate Bill und Otto Bammel vom Friedensbündnis freuten sich übers rege Interesse.

Das erste Referat hielt Oliver Knabe, Vorstandsvorsitzender des Forums Zivile Friedensdienste (ZFD), Experte in Konfliktregionen, ehemaliger Regionalkoordinator im westlichen Balkan. Er berichtete über die aktuelle Arbeit des forumZFD und seiner Partnerorganisationen in Odessa. „In den Hinterhöfen von Odessa, wo zurzeit die Sicherheit und die Kultur fürs Überleben organisiert wird, könnte das heranwachsen, was es nach dem Krieg braucht: Zusammenhalt über kulturelle Unterschiede hinweg.“

Andreas Zumach, TAZ-Journalist und Buchautor, Experte für internationale Beziehungen und Konflikte, langjähriger Korrespondent am Sitz der UNO in Genf, sprach eine Stunde in freier Rede über die Herausforderung, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg – an dem Putin die alleinige Schuld trage – zu verurteilen, die politischen und historischen Bezüge zu kennen, der Ukraine beizustehen – zugleich aber die sehr großen Risiken einer fortschreitenden Eskalation nicht aus dem Auge zu verlieren. Die NATO versäume es, die Kriegsziele wirklich präzise zu definieren. Hinzu komme, dass die USA und Europa tatsächlich nicht die gleichen Interessen hätten – „wir sind die Nachbarn dieses Krieges – die USA ist 6000 Kilometer entfernt auf einem eigenen Kontinent.“ Verhandlungen zur Beendigung des fürchterlichen Krieges seien unverzichtbar, betonte Zumach und zog einen Vergleich: „Hätten die Gegner aus Serbien, Kosovo, Bosnien, Herzegowina, Slowenien und Kroatien sich trotz der zugefügten Verletzungen nicht zu Verhandlungen bereit erklärt, gäbe es heute noch Krieg im ehemaligen Jugoslawien“.

Zwei weitere Termine der „Oberurseler Friedensgespräche“ stehen bevor: Am 29. Juni kommt der bekannte Frankfurter-Rundschau-Autor Stephan Hebel ins Kulturcafé Windrose. Der Publizist Dr. Franz Alt wird am 3. September im Rushmoor-Park sprechen.

Oliver Knabe vom Forum Zivile Friedensdienste berichtete von der aktuellen Arbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft in Odessa (Ukraine). – MITTE: Renate Bill und Otto Bammel moderierten die gutbesuchte Veranstaltung des Oberurseler Friedensbündnisses. – RECHTS: Der Journalist Andreas Zumach, langjähriger Korrespondent am Sitz der UNO in Genf, wies auf die Eskalationsgefahr beim russischen Angriffskrieg hin. Fotos: Erich Ruhl-Bady